11. September 2020

Kindererziehung: Es geht auch ohne Strafen!

*Anzeige

Im Moment bin ich wieder im Lesefieber und möchte euch gleich das nächste Buch vorstellen: Es geht auch ohne Strafen! Kinder auf Augenhöhe begleiten von Aida S. de Rodriguez.

Wie ist es möglich Kinder ohne Strafen zu erziehen? Manchmal müssen sie doch irgendwie sein - oder nicht? Ich war gespannt und habe mich ans Lesen gemacht.

 

Strafen müssen nicht sein

Auf knapp 190 Seiten vermittelt de Rodriguez - Leiterin einer Schule, die ohne Straf- und Belohnungssysteme auskommt - wie schädlich Strafen für Kinder sind und warum Kinder nicht aus Strafen lernen. In Teil 2 werden Alternativen zur Strafe behandelt und was es für typische Konflikte in Familie oder Schule gibt. Zum Abschluss folgen 28 Handlungsalternativen zur Strafe.

Die Autorin geht noch weiter: Neben Strafen braucht man noch nicht mal Erziehung. Beziehung ist das Schlüsselwort.


Meine Rezension

Um es gleich vorweg zu nehmen: Irgendwie hatte ich mir doch noch mehr konkrete Tipps und Hinweise gewünscht. Die Autorin beschreibt sehr ausführlich, was Strafen mit Kindern tun und warum sie nicht sein sollten. Dies untermauert sie mit einigen Studien, die sehr interessant sind.

Ihr kann ihren Ansätzen absolut folgen und sehe das meiste ähnlich. Auch ich selbst habe bisher auf "richtige" Strafen bei unseren Kindern (3 und 1 Jahr alt) verzichtet, wie Fernsehverbot oder ins Zimmer schicken. Bisher hatten wir zum Glück aber auch noch keine größeren Probleme.

Interessant finde ich besonders die folgenden Aspekte:

Sehr wichtig ist de Rodriguez die bedingungslose Liebe, d.h. auch wenn Kinder wüten, zeige ich ihnen, dass ich sie auch jetzt liebe - besonders jetzt, da sie es in diesem Moment besonders brauchen.

Kinder wollen kooperieren. Aber gerade am Abend können sie häufig nicht mehr, wenn sie den ganzen Tag schon mit uns kooperiert haben. Pseudokompromisse wie "Willst du jetzt Zähne putzen oder später, dann können wir aber nur ein Buch lesen" sind nicht fair und machen nur uns Eltern ein gutes Gewissen.

Die meisten Eltern wollen, dass ihre Kinder immer artig sind und die Anweisungen der Eltern ohne Wiederworte befolgen. Aber genau das will man doch später gar nicht, dass seine Kinder als Erwachsene nicht nachdenken und stattdessen einfach nur machen, was jemand zu ihnen sagt.

Sehr wichtig finde ich auch die Aussage, dass uns nicht das Verhalten unserer Kinder, sondern unsere wertenden Gedanken wütend machen. Denn es macht doch etwas ganz anderes mit uns, wenn ich denke, "Oh, mein Baby schreit, es fühlt sich alleine und braucht mich" oder "Oh nein, mein Baby schreit schon wieder. Es will mir nicht einmal meine Ruhe lassen".

"Warum macht mein Kind nur dies oder das?", fragen wir uns häufig. Diese Gedanken bringen uns aber überhaupt nicht weiter, viel bedeutender ist es herauszufinden, welches Bedürfnis hinter dem Verhalten des Kindes steckt. Gerade wütende Kinder sind häufig traurig oder erschöpft und wollen eigentlich nur Mamas und Papas Aufmerksamkeit und Liebe.

Ganz besonders wichtig ist es außerdem, dass Kinder eigene Erfahrungen machen dürfen und Eltern sie nicht ständig kontrollieren. Erst das führt zu einer selbstwirksamen Persönlichkeit.


Fazit

Ich verfolge den gleichen Ansatz, dass man Strafen bei Kindern so gut es geht vermeiden sollte. Das Buch "Es geht auch ohne Strafen!" zeigt, wie schädlich diese für Kinder sind. Dennoch fühle ich mich noch ein wenig von der Autorin alleine gelassen, wie ich denn nun in Situationen reagieren soll, wenn mein Kind nicht mit mir kooperieren möchte. Manchmal hat man nun einfach nicht die Wahl...
Dennoch ein ganz interessantes Buch, wodurch ich mir noch einmal Gedanken zur Kindererziehung und Strafen machen konnte.


Meine Bewertung für "Es geht auch ohne Strafen! Kinder auf Augenhöhe begleiten":